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Reiseberichte: Jenaer Studenten in Japan
Stephan Wagner: Urlaub, Sommer 2001 -Teil 3-

Warum Japan? (3)

Die nächsten Tage verbrachten wir in Matsudo bei den Tachizawas. Wir wurden sehr freundlich empfangen und am Abend gab es ein herrliches Essen mit vielen japanischen Spezialitäten: Soba Nudeln, Sashimi, Miso-shiru und einige Sachen, von denen ich mir die Namen nicht gemerkt habe!


(Mo. 21.8.)
Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen! Wir wollten nach Kamakura zum Daibutsu (= dem großen Buddha). Kamakura liegt südlich von Tokyo am Pazifik und war einst neben Kyoto auch ein kulturelles Zentrum Japans. Deswegen gibt es hier auch noch viele Tempel- und Schreinanlagen. Berühmt ist vor allem der 13 m hohe Bronze-Buddha, der schon etliche Naturkatastrophen überstanden hat. Einst stand er in einem Tempel. Dieses Gebäude wurde jedoch im 15. Jahrhundert durch eine Flutwelle zerstört. Zurück blieb nur die Figur. Für 20 Yen kann man sogar sein Inneres begehen.;>

Mit einer Bimmelbahn ging es zur Insel, "Enoshima". Auf der Fahrt kam auf einmal der Pazifische Ozean in unser Blickfeld, und 100e von Surfern. Von Enoshima hatte man einen guten Blick auf einige Bergketten im Westen. Leider war es zu diesig, um den Fuji zu sehen. Wir konnten ihn nur erahnen. Normalerweise sollte man ihn sehen konnen. Schade! Wir haben den Fuji-san bestiegen, die Aussicht von ihm genossen, aber ihn noch nicht von weitem gesehen. Also genau das, was den Fuji für die Japaner so verehrungswurdig macht, haben wir noch nicht gesehen. Der Sonnenuntergang brachte schöne Töne von Rot und Lila.

(ab Dienstag 21.8.)
Wieder in Matsudo stand ein Besuch bei Uniqlo an! Uniqlo ist so etwas wie H&M bei uns, aber ein Stück cooler, würde ich mal behaupten. Wirklich preiswerte Klamotten in guter Qualität. An dieser Stelle ein großes dickes "Danke schön" an Machiko, die auch dort arbeitet. Ich habe mir bei Uniqlo nämlich T-Shirts mit Schweißabsorption gekauft. Das Beste für mich Schweißgeplagten. Nur leider schade, das es nicht mehr SOOOo heiß werden sollte. Denn ein "großer Wind" bewegte sich schon seit dem Vorabend auf Japan zu.

Der Taifu (= Taifun) kam und zog über Osaka kommend nach Tokyo, wo er schon ein wenig schwächer war. Wir bemerkten eigentlich nur den stetig starken Regen. Ich glaube, wir wurden durch unseren Aufenthaltsort bedingt vom wirklich heftigen Wind verschont. Wahrscheinlich hat das Inselfestland, den Sturm etwas abgebremst, oder die von Tokyo produzierte Wärme hat ihn gestoppt, oder vielleicht war es auch Andreas, so ganz genau habe ich das nicht rausbekommen!

Wir übernachteten wieder in einer der billigsten Unterkünfte Japans. Das "New Koyo" etwas nördlich von Ueno. Es erinnerte etwas an ein Gefängnis. Kunststofffußboden, sterile weise Wande, deswegen blieben wir auch nur eine Nacht und kehrten wieder nach Shin-Okubo zurück. Es gibt ein weiteres Gaijin-house in Ikebukuro, also mehrere Möglichkeiten günstig abzusteigen, aber wir entschieden uns wieder die Villa Yamanote. Und neulich erzählte mir Herr Hasegawa von einer Jugendherberge ganz oben in einem Skyscraper im Stadtteil Tokyo.
Wir holten uns Fleisch und Fischspiesse und schauten den ganzen Abend (ab 19.00 Uhr) Japanisches Fernsehen! "Gakkou e iko! " (= Lass uns in die Schule gehen!). Mit den Mitgliedern von V6 (das ist eine Boygroup) und Akachan und Kinchan, usw. Wir haben zwar nicht alles verstanden, aber wir haben einen Riesenspas und haben herrlich gelacht!

(22.8.-25.8.)
Die nächsten Tage in Tokyo verbrachten wir mit weiterem Sightseeing und Shopping Tours. Wieder mal Shinjuku, Harajuku und Akihabara. Nur nach Ginza sind wir nicht gegangen, ich glaube, dort ist ein bißchen zu teuer! ;>
Wir nutzten die Gelegenheit auch, um uns mit Reitaku-Studenten zu treffen, die vor 3 Jahren hier in Jena waren und die wir also sehr lange schon nicht mehr gesehen hatten. Das war sehr lustig! Sie hatten schon seit einiger Zeit nicht mehr Deutsch gesprochen, aber mit der Zeit wurden sie wieder richtig warm mit der Sprache und wir hatten viel Spas beim Rauf- und Runterbestellen der Speisekarte in einem japanischen Restaurant.

Mit gerade aus Jena zurückgekehrten Japanerinnen trafen wir uns am Feitag (24.8.) , um noch einmal nach Odaiba zu fahren. Neben den vielen Pärchen, die wieder dort anzutreffen waren, sahen wir einen Teil des Fuji-Television Gebaudes. Am Wasser (Odaiba liegt am Tokyoter Hafen) sprangen die ganze Zeit fliegende Fische aus dem Wasser. Wir wollten welche fangen, aber keiner wollte richtig tief ins Wasser gehen und Anlocken hat nicht funktioniert! Deswegen sind wir dann am Abend Okonomiyaki essen gegangen. Das war mal wieder lecker! Einen Nobelpreis für denjenigen der Okonomiyaki erfunden hat.;>
In einem Depaato in der Nähe von Fuji-Television machten wir die Bekanntschaft mit einer neuen Sony-Erfindung. Hologrammautomaten!! Man setzt sich in eine Kabine und hat 5 Sekunden Zeit sich irgendwie "sinnvoll" zu bewegen. In diesen 5s fährt eine Kamera von rechts nach links und nimmt alle Aktionen auf. Diese Bewegungsinformationen werden dann "irgendwie" (*zauber-zauber*) in ein Hologrammaufkleber geprest und schon hat man ein Hologramm von sich. Allerdings dauert die Entwicklung einige Zeit (1-2 Wochen). Die ganze Sache ist bißher noch im Kundentest-Status frisch aus den Sony-Labs. Wir stürmten diese Kabine gleich mal zu fünft.
Das Riesenrad in Odaiba macht abends eine echt krasse Lichtshow: sehr bunt, sehr schrill. Würde ich dort in der Nähe wohnen, würde ich nach 1 Woche irre werden!

Am nächsten Tag kehrten wir Tokyo den Rücken, machten vorher noch einen Abstecher nach Obaasan no Harajuku, um unsere gebrechlichen Knochen zu heilen, und begaben uns nach Kashiwa. Wir waren bei der Familie Suzuki eingeladen. Am Abend gab es wieder ein Festessen! So lecker, jam-jam!
Danach sind wir auf ein japanisches Sommerfest gegangen. Es gab ein großes Feuerwerk und auf dem Festplatz war viel los. Es gab eine Bühne auf der ein Karaoke-Wettbewerb stattfand, richtig mit Jury. Überall gab es Süßigkeiten zu kaufen und eine Frau machte auf einer Flache von 3x1m riesiges Okonomiyaki. Wir schlugen uns die Bäuche mit Eis und Süßigkeiten voll und gingen zum Tanzplatz. Dort stand eine runde Bühne (2m Höhe) mit einem Turm in der Mitte. Auf diesem Turm thronten eine große Taiko (= japanische Grostrommel) samt Taikospieler. Wir sollten Zeuge des "Kashiwa-odori" werden. Keiko erklarte uns, das viele Städte in Japan eigene Tanze haben. Die Tanzgroßmeister stellten sich auf der Bühne auf und begannen mit dem Tanz. Unten auf der Wiese sammelten sich viele Leute, die Lust und Freude hatten mitzumachen, und los ging es. Ich machte auch mit, aber es war ein bißchen schwierig, und ich machte alles falsch! Das war trotzdem sehr interessant, man könnte den Großmeistern beim Tanzen zuschauen und selber probieren.
Nach der Tanzaktion klapperten wir noch einige Stände ab. Ähnlich wie in Deutschland auf einer Kirmes gibt es viele Gelegenheiten ein paar Spiele zu machen. In Japan haben diese Spiele hauptsächlich mit Geschicklichkeit und Vorsicht zu tun. Zum Beispiel beim kleine Goldfische oder Schildkröten fangen. Mit einem Käscher der bei zu heftigem Gewicht zerreist bzw. einer Waffel, die sich durch den Wasserkontakt auflöst, sollte man versuchen, die Kleinen einzufangen. Goldfische haben wir sechs Stück fangen können. Das mit den Schildkroten haben wir nicht probiert.


In Minami-Kashiwa (= Süd-Kashiwa) befindet sich die Reitaku-Universitat. Die wollten wir schon immer mal sehen. Am Montag (27.8.) also 1 Tag vor unserer Abreise sollte es soweit sein. Das Gelände ist riesig! Wir sind schon mit den Tachizawas dort durchgefahren. Heute schauten wir uns die Uni richtig an. Leider waren keine Lehrer da, noch waren 3 Wochen Ferien. Ansonsten war es ziemlich ruhig auf dem Campus. Nachdem wir die Bibliothek besichtigt hatten, gingen wir uns in den Computer-Pools umschauen. Wir saßen ein paar Minuten dort und plötzlich entdeckten Keiko und Rieko Conni, die Jenaer Studentin, die zusammen mit Georg dieses Jahr an der Reitaku ist. Sie war sehr überrascht! Und wir auch!
Es gab eine Menge zu erzählen und das taten wir dann auch erst einmal.

Das war unser letzter Tag in Japan! Wir haben am Abend noch ein Depaato gestürmt und die letzten Mitbringsel gekauft (Katsuboshi, Okonomiyaki-soße und Süßigkeiten). Am nächsten Tag sollte es für Andreas um 12 Uhr und für mich um 13 Uhr losgehen.
Wir blieben bis ganz spät auf (ich glaube, wir haben gar nicht geschlafen), schauten uns Filme und Photos an und haben gequatscht. Total übermudet stolperten wir dann morgens Richtung Narita los. Keiko und Rieko begleiteten uns. Chie, Machiko, Sayaka und ihre Mutter waren auch da und verabschiedeten uns.

Wie kann man Menschen für Ihren Gastfreundschaft danken? Wir wurden in den japanischen Familien so nett aufgenommen. Einen dicken Dank an alle, die unsere Reise bereichert haben. Danke für die vielen Erklärungen über die japanische Kultur. Wir haben vieles gelernt und werden versuchen es an andere weiterzugeben.

Nach meiner Rückkehr sah ich die hiesige Welt mal wieder mit ganz anderen Augen. Ich vermisse das "Irrashaimase" beim Betreten eines Ladens, das einen so willkommen heißt. Die vielen großen Leute, denen ich schon am Flughafen in Frankfurt begegnet bin, erschreckten mich beinahe etwas. Hier in Deutschland laufen viele Dinge anders als in Japan. Wenn wir das vorher noch nicht wirklich bejahen konnten, wissen wir es jetzt mit Sicherheit.

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Japan ist ein Abenteuer wert und dazu gibt es hier noch ein paar nützliche Adressen für Reisevorbereitungen:

http://www.lonelyplanet.com/destinations/north_east_asia/japan/
-- der ultimative Reiseführer, auch als "Hiker"-version erhältlich

http://www.jnto.go.jp/eng/
-- Webseite der Japanischen Tourismus Organisation

Reisebüro Aerolinea
Stapenhorststrasse 59
33615 Bielefeld
Tel.: 0521- 122550
http://www.aerolinea.de

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