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Warum Japan? (2)
Verschwitzt, erschöpft und ein bisschen stolz kehrten
wir zur 5. Station, an der wir unsere Rücksäcke eingeschlossen hatten,
zurück. Man kann noch eine andere Route vom Fuji Richtung
"Normalhöhe" nehmen. Nachzulesen in jedem guten Reisefuhrer.
Zu unserer Bewaffnung zählte der "Lonely Planet - Japan".
Ein Buch das fast alle Japan Bagpack- und Normaltouristen besitzen.
Wir hörten von witzigen Dialogen, wessen Lonely Planet das
den sei, der da im UNO-House in Kyoto in der Küche
rumlag. (A:"Is that yours?" - B:"No, got mine here!"
- A:"Yours?" - C:"No, I have it in my room!"
- A:"...??")
Apropos Kyoto: Wie reist man in Japan? Was
lohnt sich? Was ist vor allem billig? Das Wichtigste für z.B. mittellose
Studenten, wie uns!
Also, überlegen wir mal? Einige Japaner aus der Tokyoter Ecke fliegen
schon mit dem Flugzeug nach Kyushu, wenn sie dort Verwandte
besuchen wollen, weil man sich das Chaos auf den Straßen nicht antun
möchte. Aber Flugzeug fliegen fiel bei einem Budget, wie dem unseren,
sowieso gleich heraus. Und mit dem Auto fahren? Auf den Linksverkehr
hatte keiner von uns wirklich Lust und zudem besaß keiner von uns
einen internationalen Führerschein bzw. eine begläubigte Übersetzung
unseres "Euro-Führerscheins".
Japan ist ja noch für seine Schnellzüge, die Shinkansen berühmt.
Also, was ist damit? Da fallen mir konkret nur 2 Worte als Kommentar
ein: "Zu teuer!" Ähnlich dem ICE bei uns hier in Deutschland
ist der Komfort ziemlich hoch, und die Verbindungen "Mega"-schnell!!!
Tokyo -> Kyoto in gut 2 Stunden!! Wer bei seinem Aufenthalt
(bis zu 3 Wochen) wirklich viel reisen will, kann sich über den "JR-Railpass"
informieren. (JR = Japan Railway - größte Bahngesellschaft
Japans)
Ist damit schon die Fahnenstange erreicht? Ende Gelande? Pech gehabt?
Nein. Es gibt noch viele Möglichkeiten relativ günstig von A nach
B zu kommen. Die erste waren Nachtbusse, die von Tokyo aus
in alle Richtungen und auch wieder zurückfuhren. Eine weitere Möglichkeit
ist das "Juhachi-kippu". Nur zu bestimmten Zeiten
beziehbar, ermöglicht es für 11.200 Yen mit bis zu 5 Leuten 1 Tag
lang alle Regionalzuge von JR zu benutzen (also nicht Shinkansen
und Expresszugen). Oder äquivalent an 5 Tagen alleine zu fahren.
Diese Tage mussen nicht zusammenhängend, aber im entsprechenden Nutzungszeitraum
liegen.
Der Railpass erschien uns zu teuer, deswegen entschieden
wir uns für das "Juhachi". Billig aber mit Tücken,
wäre als Einschätzung wahrscheinlich passend formuliert! Nichts böses
ahnend sind wir nämlich vom Fujisan mit dem Bus in die nächste
Stadt mit Bahnhof namens Kofu gefahren, um uns Richtung Kyoto
zu begeben. Der Bahnhof war aber kein JR-Bahnhof. Und weil das "Juhachi-kippu"
eine Erfindung von JR ist, musten wir dort noch mal zahlen! Das
nächste Ärgernis lies leider nicht lange auf sich warten.
In einem so hochtechnisierten Land wie Japan erwartet man ja eigentlich
so einiges von den Leuten hinsichtlich Informationsbeschaffung und
solcher Sachen. Was wir aber in Otsuki erlebten, verstand
zuerst keiner so recht. Nach meiner Frage auf Auskunft fur eine
Verbindung nach Kyoto wurde mir gesagt, das das wohl heute
nichts mehr wurde, man musse mal nachschauen. Prompt kramt der Bahnhofsangestellte
in einem 10 cm dicken Streckenfahrplanbuch, um etwas zu finden.
Viel Erfolg hatte er nicht, und irgendwie kam es mir so vor, als
ob er eigentlich auch gar keine Lust hatte. Jedenfalls meinte er
irgendwann, er wäre doch gerade sehr beschäftigt und gab mir die Telefonnummer
von der JR-East Auskunft in Tokyo. Ich war gerade
noch so clever und fragte, ob ich das Bahnhofsbürotelefon benutzen
könne. Die nächsten 20 min hatte ich eine etwas nervige und nicht
wirklich zufriedenstellende Besprechung mit einer jungen Dame auf
Englisch. Eine Verbindung am heutigen Tag ware nur noch mit teueren
Expreszügen möglich. Das war das Ergebnis. Es war jetzt 14.oo Uhr
und irgendwie konnte ich das nicht wirklich glauben! Da kam ein
möglicher Zug!! Also auf nach Süden nach Fuji oder Shizuoka
und dann hoffentlich nach Kyoto. Nach ein wenig Abstand von der
ganzen Geschichte kann ich sagen, das die Erwartungen in das "Juhachi-kippu"
wahrscheinlich etwas zu hoch gesteckt waren. Mein
Opa sagt immer : "Nichts
geht in der Zeit Null!" und "Billig
ist nicht immer gut!" Das dazu... Komisch nur, das
die Gaijin-Frau, die nach uns eine Information am Schalter
wollte und mit ihrem JR-Railpass winkte, prompt bedient und
gut informiert wurde. (inkl. Ausdruck!) ;)
Nichts desto trotz, kein Hindernis war stark genug,
um uns aufhalten zu können, Kyoto zu erreichen. Das kulturelle Zentrum
Japans. Bis zu den Meiji-Reformen war es Sitz des Kaisers.
Kyoto ist Heimstatte von mehr als 2000 Tempeln und Schreinen
und eine der japanischen Stadte, die im 2. Weltkrieg von den Bomben
der Amerikaner nahezu unbetroffen blieben.
Kyoto, das sind für mich Geishas und Gion, die unzahligen
Tempel mit ihren wunderschönen Gärten, die umgebenden Berge, die bunten
Koi (=japanische Karpfen), die Shijo-dori, der neue
Bahnhof und die Hitze, die in dieser Stadt herrscht. Ich gewöhnte
mir an, immer ein Handtuch mitzunehmen. Der Schweiß
floß in Strömen. Vielleicht habe ich aber auch nur schlechte
Gene von meinem Papa geerbt. Genauso, wie den Japanern angeblich
ein Enzym zum Alkoholabbau fehlt, habe ich vielleicht welche bei
der Schweißproduktion zuviel. Unser Ziel in Kyoto war das UNO-Haus.
Die 1. Adresse, wenn es um Zentrum nahes und preiswertes Wohnen
geht! Knapp 120 DM für ein 3-Mann-Zimmer. Das ist sehr preiswert
für Japan! Kein Schlafsaal, sondern eine eigene kleine Privatsphäre!
In Kyoto am Samstag um 8.oo Uhr am neuen Bahnhof
angekommen, wollten wir gleich zum Uno-Haus und am Liebsten schlafen
gehen. Die Fahrt war nicht sehr erholsam gewesen. Da gerade Schulferien
und Obon-Fest (= traditionelles Sommerfest) in Japan waren,
stiegen wir in Fuji in einen Zug ein, der schon bis oben
hin voll war. 3 1/2 Stunden standen wir nahe der Tür und erlebten
in Ogaki was Umsteigen in Japan bedeutet. Alle beeilten sich
aus dem Zug herauszukommen, teilweise ohne Rücksicht auf Verluste.
Ein wahrer Strom von Leuten ergoß sich über die Treppe zum Gleisübergang.
Platz/Raum ist in Japan kostbar, sogar in der Bahn. Welch Stress
um 5 Uhr 30! Und alles nur, weil viele Japaner zum Obon-Fest
in die Dörfer ihrer Vorfahren zurückkehren wollen. Die verstorbenen
Seelen der Vorfahren kehren nach dem Buddhistischen Glauben zur
Zeit des Obon-Festes, traditionell Mitte August (13.8.-16.8),
auf die Erde zurück. Ihre Nachfahren entzünden dann Laternen und setzen
diese auf Seen, Flusse oder dem Meer aus, um die Verstorbenen in
die Unterwelt zurück zu geleiten.
(Sa.11.8.)
Egal, wir hatten es geschafft! Die nächste Woche wollten wir uns
diese schöne Stadt anschauen!
Das nach chinesischem Vorbild geprägte Straßensystem, läßt sehr weite
Blicke zu. Die Straßen verlaufen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung,
stehen also senkrecht aufeinander, das allein ist für uns Mitteleuropäer
schon etwas seltsam. Aber nichts übertrifft das Flair von Kyoto,
wenn zwischen 2 schicken "Depaato"s plötzlich ein
Tempel oder ein Schrein auftaucht. Über die Sehenswürdigkeiten dieser
Stadt kann man in allen Reiseführern lesen. Ich möchte nur etwas über
das Okuribi/Daimonji-yaki und die Beleuchtungsaktion am "Kiyomizu-dera"
erzählen.
(Do.16.8)
Das eine Spektakel, welches in Kyoto während unserer Anwesenheit
stattfand, war das Okuribi oder auch Daimonji-yaki
genannt. Dabei handelt es sich um das Anzünden von 40 bis 50 m hohen
und breiten Schriftzeichen, die in die Berge um Kyoto "eingeschlagen"
sind. An einem Abend nun werden mehrere Feuer entlang der Konturen
angebrannt und Tausende und Abertausende warten auf Brücken und Straßen
an Orten, von dem mehrere Zeichen sichtbar sind und bestaunen die
Ereignisse. In Japan gibt es so viele Menschen! Wir kamen uns wie
Heringe vor. Von unserer Brücke aus konnte man die Kanji
für "Dai " (=gros) und "Hou" (=Gesetz)
sehen. Überall Polizei! So eine Veranstaltung will gut koordiniert
sein! Zwischen den Massen versuchten Fahrradfahrer, hindurchzukommen
und sorgten nur für noch mehr Verstopfung. Endlich, kurz nach 20.oo
Uhr war es soweit. Das 1. Zeichen, "Dai", wurde entzündet.
Die Menge bewunderte diesen Effekt. Und auch beim 2. Zeichen, dem
für"Hou", ging ein Murmeln durch die Menge. Andreas Koch
bemerkte als Erster, das einfach nur alle Leute gleichzeitig "HOU"
gesagt hatten. Nach 1 Stunde verliesen wir die Brücke wieder. Schon
war alles vorbei!
Internetcafes in Kyoto zu finden, ist nicht
so einfach wie in Tokyo, wo wir mit Maillesen keine Probleme
hatten. Ein Internetcafe um die Ecke wie in Shin-Okubo, viele
Möglichkeiten in Akihabara... immer Kommunikation mit Zuhause
und unseren Freunden in Japan. In Kyoto wichen wir auf einen
24 Stunden Copy-Shop aus, in dem es ein paar Internetcomputer gab.
Eine weitere Kommunikationshilfe war der Kauf eines Prepaid-Handys
für ca. 5000 Yen (=100 DM). Dazu gab es 10 min Gesprachsguthaben
und Japanweite Erreichbarkeit. Das Keitai (= Handy) an sich
ist nicht mit den Modellen zu vergleichen, die gerade überall in
Japan im Umlauf sind, aber für europäische Verhältnisse ist es richtiggehend
"stylisch"! Dieses Keitai hat uns gute Dienste
beim Planen und Abmachen erwiesen.
(Di. 14.8.)
Der Kiyomizu-dera ist einer der schönsten Tempel Kyotos.
Besonders wenn man die Chance hat, ihn des Nachts beleuchtet zu
erleben. Wie uns das vergönnt war. Überall waren Fackeln und Kerzen
aufgestellt. Die Pagode und einige Gebäude des Tempels wurden angestrahlt.
Einlas für dreiste Gaijin kostenlos. Naja, wir waren nicht
dreist, eher ein bisschen dumm. Wir waren nämlich zu früh da! Das
Spektakel sollte erst 19.oo Uhr beginnen. Wir aber waren schon 18.oo
im Tempelgelände, das kostenpflichtig ist. Also hatten wir bereits
Tickets gekauft und schauten uns schon begeistert um. Japan liegt
geographisch südlicher als Deutschland und deswegen wird es auch
im Sommer schon früher dunkel. Im Gegensatz zu unseren Breiten, wo
der Sonnenuntergang Mitte August, immer noch gegen 21.15 ist (wegen
der Sommerzeit), wurde es in Japan schon 19 Uhr dunkel. Das war
am Anfang ein wenig komisch. Mit einem solchen Unterschied hatten
wir nicht gerechnet, aber man gewöhnt sich ja an alles! Jedenfalls
wurden wir kurz vor sieben aus dem Kiyomizu "rausgeworfen".
Wie kann man sich das vorstellen: Es gibt einen Fronteingang an
dem Treppen zum Tempel hochführen, ein paar Meter weiter schlängelt
sich ein Weg vorbei an den Tempelgebäuden, um ein paar Kurven und
dann fällt man die Treppen zum Seitenausgang heraus. Und genau dorthin
wurden wir höflichst geleitet!
Am Ausgang gibt es einen Brunnen, dessen Wasser Gesundheit und Reichtum
bringt. Das Wasser sturzt aus Rohren in ein Becken. Man kann sich
mit einem Behalter aus diesem Wasserstrahl bedienen. Leider waren
gerade, als wir dort vorbei gegangen sind, sehr viele Leute dort,
deswegen sind wir jetzt nicht mit Reichtum, Glück, Erfolg bei den
Frauen gesegnet. ;)
Jedenfalls sind wir nach dem Rauswurf wieder zum Eingang
und haben uns erst mal geärgert, das wir zu früh da waren. Gaijin
wie wir, können ja nicht alles wissen und so zeigten wir einfach
unsere alten Tickets, die wir noch in den Handen hielten, vor und
spazierten an den doch etwas irritierten Einlassmädels vorbei. Wir
hatten dann noch einen wunderschönen Abend im Kiyomizu-dera.
Mit dem Begaffen von Sutras singenden Mönchen beim Gebet verbrachten
wir mehr als eine halbe Stunde.
Einigen der ehrwürdigen Tempel Kyotos besuchten wir
während unseres Aufenthaltes. Namentlich waren das: Ryouan-ji,
Kinkaku-ji, Ginkaku-ji, Hon'nen-in, Yasaka-jingu und irgendwann
hat man genug von Tempel und Schreinen und geht lieber eine Runde
shoppen! Und das geht in Kyoto richtig gut! Der Bereich zwischen
der Sanjo-dori und der Shijo-dori ist dafür berühmt
und beliebt.
Und so langsam musten wir weiter. Andreas G. hatte seinen Heimflug
für Samstag, den 18.8. ab Osaka gebucht. Im Nachhinein eine
Entscheidung, die er so nicht noch einmal treffen würde. Ihm hatte
es ziemlich gut in Japan gefallen! Erst kurz vor Beginn unserer
Reise brachte er sich die beiden Silbenschriften Hiragana und Katakana
jeweils innerhalb 1 Woche nebenbei bei und zeigte damit, das man
den Einstieg in die japanische Sprache ziemlich leicht finden kann.
Ein nützliches Utensil beim Lernen und Bearbeiten von Texten sind
kleine elektronische Organizer, die mit einer Handschrifterkennung
ausgestattet sind. Diese Systeme (z.B. von Sharp) können Kanji
erkennen, soweit sie in der richtigen Strichreihenfolge geschrieben
wurden. Eine erhebliche Erleichterung bei der Bestimmung der Lesungen
von Schriftzeichen. In Akihabara ab 300 DM erhaltlich.
Vom Nachtleben in Osaka geschafft, machten wir uns am Tag
von Andreas's Heimreise wieder auf den Weg zurück nach Tokyo,
bzw. zur Familie Tachizawa nach Matsudo (etwas nordöstlich
von Tokyo gelegen).
Wie? Natürlich mit dem Juhachi-kippu! Am Abend 20.oo Uhr in
Osaka gestartet, führte uns die Fahrt über Ogaki, weiter
nach Nagoya und Shizuoka, also an der südlichen Pazifikküste
entlang, nach Tokyo. Um 5.oo Uhr waren wir dort angekommen
und eine halbe Stunde später lagen wir im Ueno Park,
um noch ein wenig zu schlafen. Am Sonntag morgen in einem öffentlichen
Park in Japan! Was da wohl los ist? Zumindest Andreas kann diese
Frage heute beantworten. Ich habe geschlafen...
Um 7.oo Uhr sollen sich direkt vor uns ca. 200 Japaner versammelt
haben, die zur Musik Morgengymnastik gemacht haben. Und ich habe
geschlafen!!! So was!
(So. 19.8.)
Wir lernten an diesem Vormittag noch eine Menge Leute im Ueno-koen
kennen. Vorwiegend Indonesier, die in Japan an 1- oder 2 jährigen
Sprachkursen teilnehmen. Apropos Bekanntschaften! In Japan haben
viele Leute Meishis (=Visitenkarten). Wir hatten keine! Wenn
man jemandem kennenlernt, druckt man ihm irgendwann mal eine Karte
in die Hand. Das spart unleserliche Adressen und verloren gegangene
lose Zettelchen.
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