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Praktikum in Japan
Vom 01.10. bis 22.12.2001 absolvierte ich im
Rahmen meines Studiums der BWL / Interkulturelles Management an
der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Praktikum in der IT-Abteilung
der Gerling Allgemeine Versicherungs-AG, Japan Branch.
Vorbereitung
Ein wichtiger Bestandteil meines Studiengänges ist
die Auswahl einer Zielkulturregion. Ich entschied mich schon zu
Beginn meines Studiums für den Raum Ost- / Südostasien und begann
im ersten Semester, die japanische Sprache zu erlernen. Neben dem
Sprachunterricht besuchte ich gemäß der Studienkonzeption verschiedene
Seminare über die Kultur und Wirtschaft Japans, deren Lerninhalte
mich sehr gut auf den Japanaufenthalt vorbereitet und vor so manchem
Fettnäpfchen bewahrt haben. Gerade wenn man sein Praktikum in einer
Niederlassung eines deutschen Konzerns durchführt, sollten mangelnde
Kenntnisse der japanischen Sprache keinen Hinderungsgrund darstellen,
da eine andere Praktikantin gänzlich ohne solche in Tokyo eintraf
und sich dennoch in dieser fremden Welt zurechtfand. Dagegen ist
meiner Meinung nach das Lesen eines breiten Spektrums an Literatur
zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekten, wobei die Güte
der erhaltlichen Bücher stark differiert, wesentlich essentieller,
um gut gerüstet in den Fernen Osten zu kommen.
Unter Zuhilfenahme einschlägiger Suchmaschinen, wie beispielsweise
www.google.de
findet man unzählige Websites, die allgemeine Informationen über Japan
bis hin zu praktikumspezifischen Fragestellungen anbieten. Ich möchte
die Seite www.japan-guide.com
empfehlen, die neben einem umfangreichen Informationsangebot auch
viele Links auf andere interessante Internetseiten enthalt.
Des weiteren kann man bei der Frankfurter Niederlassung der Japan
National Tourist Organization (Kaiserstr. 11, 60311 Frankfurt,
Tel.:069-20353) kostenloses Informationsmaterial über Japan anfordern.
Aktuelle Informationen zu den Einreisemodalitäten findet man im Internet
auf den Seiten der Botschaft von Japan (Hiroshimastr. 6,
10785 Berlin, Tel.:030-210940) unter www.botschaft-japan.de.
Bis zu 90 Tagen kann man sich als Tourist ohne Visum in Japan aufhalten.
Bei längerer Dauer ist in jedem Fall die Beantragung eines Visums
erforderlich, die direkt in Berlin oder beim zuständigen Generalkonsulat
persönlich erfolgen muss. In Japan muss man dann bei der entsprechenden
Behörde seines Wohnortes eine Alien Registration Card beantragen,
die beispielsweise für die Eröffnung eines Kontos oder den Abschluss
eines Telefonvertrages in Japan obligatorisch ist.
Das Thema der Unterkunftssuche für den Praktikumszeitraum ist eines
der schwierigsten Probleme, die man während der Vorbereitung zu bewältigen
hat. Gerade im Großraum Tokyo kann man durchaus mit Monatsmieten
in der Großenordnung von 500 bis 600 Euro für ein Zimmer, das eine
Fläche von weniger als 10m2 hat, rechnen. Außerdem sind hohe Maklerprovisionen
und Kautionen üblich. Bei meinem Praktikum hatte ich diese Sorgen
allerdings nicht, da die japanische Gerling-Niederlassung ein ganzes
Haus angemietet hat, um dort die Praktikanten unterzubringen. Auch
wer sein Praktikum nicht bei Gerling absolviert, kann dort nachfragen,
ob gerade ein Zimmer zur Verfügung steht. Telefonnummer und E-Mail-Adresse
der japanischen Gerling-Niederlassung kann man der Internetseite
www.gerling.co.jp
entnehmen. Eine einigermaßen günstige Alternative stellen sogenannte
gaijin houses dar, in denen nur Ausländer wohnen, deren Wohnqualität
aber in einigen Fällen sehr zu wünschen übrig lassen soll.
Das Leben in Tokyo
Nach dem etwa 12-stündigen Flug von Europa nach Narita,
dem internationalen Flughafen Tokyos, besteht die erste Aufgabe
darin, von dort in die Stadt zu kommen. Recht einfach und komfortabel
geht dies mit dem Airport Limousine Bus, der nahezu alle Zentren
Tokyos ansteuert. Eine wesentlich preisgünstigere Alternative
stellt der Limited Express-Zug der Keisei-Linie dar.
Gerade wenn man das erste Mal in Japan sein sollte, würde ich aufgrund
des quasi nicht vorhandenen Adressensystems immer empfehlen, sich
am Flughafen oder an einem großen Bahnhof mit jemandem zu treffen,
der einen dann zur Wohnung bringt.
Das von der Gerling-Niederlassung für die Praktikanten angemietete
Haus überraschte mich durch die Große der Zimmer. In Japan ist es
allerdings nicht üblich, dass die Wohnungen über eine Heizung verfügen,
so dass es in den Wintermonaten im Hausinneren empfindlich kalt
sein kann. Durch die gute Ausstattung des Hauses mit zum Beispiel
Waschmaschine, Bügeleisen, Fernseher oder Futon-Betten mangelte
es mir an nichts. Ein kleiner Wermutstropfen war die große Entfernung
zum Büro, das sich sehr zentral in Nachbarschaft zum Kaiserpalast
befindet. So dürfte ich täglich knapp drei Stunden Arbeitsweg und,
damit verbunden, überfüllte japanische Bahnen erleben. Dies ist aber
zweifelsohne eine Erfahrung, die zum Leben in Japan dazugehört.
Bei den Lebensmittelpreisen sollte man sich von vornherein damit
abfinden, dass man während seines Japanaufenthalts in etwa das Doppelte
bis Dreifache der deutschen Preise zahlen darf. So kosten zum Beispiel
200g Butter etwa 3 Euro, 1l Milch 2 und ein kleines Brot ungefähr
5 Euro. Besonders Obst und Fleisch sind extrem teuer, wobei ein
viel starkeres Preisgefälle vorherrscht und zahlreiche Sonderangebote
existieren. Einzige Alternative ist Reis...
Aufgrund des vorherrschenden Linksverkehrs und den erheblichen Straßennutzungsgebühren
für fast alle Schnellstraßen spielte ich nie ernsthaft mit dem Gedanken,
mich in Japan selbst hinters Steuer zu setzen, sondern nutzte stattdessen
das hervorragende Nahverkehrsnetz Tokyos, das wegen der weit
fortgeschrittenen Privatisierung und des daraus resultierenden Wettbewerbs
wesentlich besser funktioniert, als dies in Deutschland der Fall
ist.
Nachfolgend noch einige Tipps, die vielleicht von Interesse sind.
Das Bahnfahren ist auf langeren Strecken ähnlich teuer wie in Deutschland.
Jedoch gibt es einige Ermaßigungen wie zum Beispiel den Purato
Kodoma Economy Plan oder Seishun 18 Kippu. Die verlässlichsten
Auskunfte erhält man im Tourist Information Center, das sich im Tokyo
International Forum in der Nähe von Tokyo-Station befindet.
Das Telefonieren nach Deutschland ist extrem teuer und bei Verwendung
üblicher Telefonkarten kann man für etwa 10 Euro nur 5 Minuten telefonieren.
Eine hervorragende Alternative ist das Telefonieren mit Hilfe einer
Calling Card, was die Telefonkosten auf ein Zehntel reduziert.
Ich habe sehr gute Erfahrungen mit der Smart Phonecard von Brastel
(www.brastel.co.jp)
gemacht.
Die Stromspannung in Japan beträgt 100 Volt, was dazu führt, dass
nur die wenigsten heimischen Elektrogeräte in Japan funktionieren.
Allerdings unterstützen die meisten Notebooks auch diese Spannung,
so dass man nur noch einen Adapterstecker benötigt, den man problemlos
in Japan erwerben kann.
Elektroartikel sind übrigens neben Sushi auch fast die einzigen
Güter, die in Japan preiswerter sind. Mit dem Touristenvisum kann
man darüber hinaus ab einem bestimmten Betrag steuerfrei einkaufen.
Mein Praktikum in Tokyo
Selbstverständlich möchte ich nicht vergessen, von meinem
Arbeitsalltag zu berichten. Wie anfangs erwähnt, arbeitete ich in
der IT-Abteilung. Mein direkter Vorgesetzter war auch ein Deutscher,
der aber schon einige Jahre in Japan lebt. Außerdem gab es noch
zwei weitere deutsche Praktikanten. Dies führte dazu, dass der Anteil
an Deutschen im Verhältnis zur Gesamtbelegschaftsstärke von 17 Personen
relativ hoch war. Somit wurde aber eine hervorragende Betreuung
während des gesamten Praktikums sichergestellt und die Aufgaben,
die mir übertragen wurden, waren entsprechend reizvoll. Reger Kontakt
zu den japanischen Angestellten ergab sich durch Zusammenarbeit
hinsichtlich inhaltlicher Fragen innerhalb eines e-Commerce-Projektes
sowie durch eine Internetschulung, die ich für die gesamte Belegschaft
vorbereiten und durchführen durfte. Ich fühlte mich voll integriert
und angenommen. Noch heute erinnere ich mich gerne an gemeinsames
Ausgehen nach der Arbeit, die für japanische Verhältnisse nicht gerade
üblichen Einladungen in das Zuhause von Kollegen und das obligatorische
Karaoke mit der ganzen Belegschaft.
Sehr angenehm empfand ich auch, dass ich nicht alleine wohnte. Eine
andere Praktikantin teilte sich mit mir das Haus und so konnten
wir an den Wochenenden gemeinsam dieses aufregende Land mit seinem
höchst interessanten Mix aus Tradition und Fortschritt erkunden und
entdecken. Es gibt jedoch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, schnell
Kontakte in Japan zu knüpfen. Die Praktikumsvermittlungsinitiative
KOPRA (www.kopra.org)
veranstaltet regelmäßige Stammtische in Tokyo. Des weiteren
sind die Aktivitaten des DAAD (tokyo.daad.de)
sowie der Japanisch-Deutschen-Gesellschaft (www.jdg.or.jp)
gute Gelegenheiten, interessante Menschen kennen zu lernen.
Rückblickend bin ich sehr froh, diesen Schritt gewagt
zu haben, da mich das Praktikum sehr bereichert und mein Interesse
an Japan nur noch vergrößert hat. Das Erleben des japanischen Wirtschaftsgeschehens
lässt sich jedoch noch steigern, wenn man sein Praktikum in einer
"richtig japanischen" Firma durchführt, wobei die Organisation
eines solchen Praktikums wesentlich schwieriger sein dürfte, da die
Institution des studienintegrierten Praktikums in Japan eigentlich
unüblich ist.
Ich persönlich fand die in der Niederlassung anzutreffende Konzernbindung
und damit verbundene Anwesenheit weiterer Deutscher keinesfalls
als störend und fühlte mich in besten Händen, weshalb ich das Praktikum
bei der Gerling Allgemeine Versicherungs-AG, Japan Branch
auch uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Die japanische Niederlassung
ist gerade im IT-Sektor ständig an Praktikanten interessiert. Zu
Informationen mochte ich nochmals auf die Internetseite www.gerling.co.jp
verweisen.
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