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Ein Jahr in Japan
Gleich
nach der Ankunft in Japan, genauer gesagt in der Reitaku-Universität
in Minami-Kashiwa (Chiba), sind wir (die drei deutschen
Studenten) zusammen mit den Studienanfängern und den Professoren
des Deutsch-Instituts nach Tanigawa gefahren. Das ist ein
kleiner Ort in den Bergen ca. drei Stunden von Tokyo entfernt. Hier
konnten sich die neuen Studenten kennenlernen und sich im Ryokan
(traditionelles japanisches Hotel) bei traditionellem Essen erste
Kontakte knüpfen. Das war der erste Test, nicht nur für meine Japanischkenntnisse,
sondern auch fur meinen Magen. Obwohl Sashimi (roher Fisch)
und das deftige traditionelle japanische Frühstuck etwas gewohnungsbedürftig
waren, und auch die Verständigung nicht immer ganz problemlos klappte,
waren die drei Tage in Tanigawa nicht nur im Hinblick auf
die traditionelle japanische Kultur ein unvergessliches Erlebnis
für mich.
Nach der Rückkehr fing das Semester und damit der normale
Alltag an, d. h. Leben im Studentenwohnheim, Unterricht, Teilzeitarbeit,
Einkaufen usw.. Das war manchmal gar nicht so einfach. Aber mit
viel eigenem Willen und der schier unendlichen Geduld vieler netter
Menschen, angefangen von unseren Japanisch-Lehrern bis hin zur Verkäuferin
im Supermarkt, konnte ich mich schnell einleben und wohl fühlen.
Gewöhnungsbedürftig war alleerdings der Mongen,
also der allabendliche Torschluss im Mädchenwohnheim. Das bedeutet,
jeden Abend Punkt 23.00 Uhr wurde das Tor des Mädchenwohnheims abgeschlossen
und erst 6.00 Uhr morgens wurde es wieder geöffnet. Man konnte während
dieser Zeit weder ins Wohnheim hinein noch aus dem Wohnheim heraus.
(Mit der Zeit ergaben sich jedoch Mittel und Wege dieses Verbot
wenigstens teilweise zu umgehen.)
Die Woche war ausgefüllt mit Unterricht und Arbeit.
Aber die Wochenenden haben wir zu Ausflügen in die nähere und weitere
Umgebung (Tokyo, Yokohama, Sawara, Choshi, Funabashi usw.)
genutzt. Dank guter Zugverbindungen waren auch größere Entfernungen
kein Problem. So ging das erste Semester eigentlich wie im Flug
vorüber. Dann hatten wir ungefahr zwei Monate Sommerferien mit echtem
Sommerwetter. Es war schwül, bei 25 - 30 Grad im Schatten. Wenn einem
zu heiß wurde, konnte man jederzeit
in mit Klimaanlagen ausgestattete Räume flüchten.
Ich habe diese Zeit genutzt, um Freunde zu besuchen
und zu reisen. Es ging von Hokkaido im Norden bis nach Okinawa
im Suden und von Tokyo im Osten nach Osaka im Westen. Von
der Vielfältigkeit der Natur und der Freundlichkeit der Menschen
war ich besonders begeistert. 
Dann war es auch schon wieder September und das neue
Semester fing an. Der Unterricht war etwas anstrengender, aber für
kleinere und größere Ausfluge reichte die Zeit trotzdem. Wir besuchten
ein paar traditionelle Herbstfeste in Sawara und in Kawagoe.
Außerdem fuhren wir nach Hakone um den Fuji-san zu
sehen. Wir hatten klare Sicht, der Anblick war einfach traumhaft.
Ein unbedingtes Muß!
Anfang November fand das jährliche Unifestival an der
Reitaku-Universität statt mit Theaterstücken, Konzerten, Ausstellungen
usw.
Dann kam auch schon Weihnachten immer näher. Vor Weihnachten
hatte ich immer ein bißchen Angst. Das erste Mal weg von zu Hause,
Heimweh... Aber das war dann alles nur halb so schlimm. Denn auch
in Japan, obwohl nicht richtig Weihnachten gefeiert wird, sind die
großen Kaufhäuser weihnachtlich geschmückt. An einigen Platzen in
Tokyo (Ebisu, Shinjuku) kam bei mir wegen festlich
geschmückter Weihnachtsbäume
und einer großen Anzahl Weihnachtssterne sogar richtige Weihnachtsstimmung
auf. Für den Rest haben wir dann selbst gesorgt. Wir haben Stollen
und Plätzchen gebacken und am 24.12. hatten wir dann sogar eine Weihnachtsparty
mit echtem Weihnachtsmann, was will man mehr?
Nach einem fast deutschen Weihnachtsfest wurde es
Silvester wieder richtig japanisch, mit Tempel- und Schreinbesuch
und mit Toshikoshisoba (Nudelsuppe zum Jahreswechsel). Ich
fand Silvester in Japan sehr ruhig und besinnlich.
Von
Anfang bis Mitte Januar hat es dann immer mal geschneit in Minami-Kashiwa.
So kamen wir auch noch zum Schneemann bauen. Der Unterricht endete
Anfang Februar. Dann wurde es noch mal richtig kalt und eisig, denn
wir fuhren zum Yukimatsuri
(Schneefestival) nach Sapporo (großte Stadt auf Hokkaido).
Die Eis- und Schneefiguren waren wirklich beeindruckend. Außerdem
hatte ich seit meiner Kindheit nicht mehr soviel Schnee gesehen.
Nun kam aber auch schon die Zeit zum Abschied nehmen.
Das hieß, so viele Freunde wie möglich noch mal treffen und "bye
bye" sagen. Das war ziemlich traurig. Denn man weiß ja nie,
wann man sich wiedersieht.
Mitte März kam meine Familie, sozusagen um mich abzuholen.
Zusammen haben wir eine kleine Reise von Tokyo uber Kamakura,
Hakone, Kyoto bis nach Hiroshima gemacht. Das war ein
schöner Abschluss
für mich; und ich konnte meiner Familie wenigstens einen kleinen
Teil des Landes zeigen, in dem ich mich ein Jahr zu Hause gefühlt
habe.
Ich möchte mich bei allen, die mir dieses schöne Jahr
in Japan ermöglicht haben ganz ganz herzlich bedanken. DANKE!!!
Noch ein kleiner Tip für alle deutschen Studenten,
die in Zukunft in Japan studieren möchten:
Japan ist nicht ganz einfach, man muss sich ab und zu mit kleineren
oder auch größeren Problemen auseinandersetzen (Kanji, Mongen....)
Aber Probleme sind dazu da, um gelöst zu werden, und für jedes Problem
gibt es eine Lösung, auch wenn diese manchmal nicht sofort offensichtlich
ist.
Das "Land des Lachelns" hat so viele schöne
Seiten, das man über die Probleme getrost mit einem Lacheln hinwegsehen
kann.
Japan ist ein Abenteuer! Genießt es! Viel Spaß!!!
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